Schätze an der Silberstraße

Veröffentlicht am 28.08.2012 in Ortsverein
 

Reise des SPD Ortsverein Maroldseisach
Erzgebirge, Dresden und Sächsische Schweiz
vom 24.-26.08.2012

Nicht dem Schatz im Silbersee, aber Schätzen an der Silberstrasse war man auf der Spur bei der Busreise mit dem SPD Ortsverein Maroldsweisach ins Erzgebirge, in die Sächsische Schweiz und in Dresden. Am Freitag, den 24.August startete die Reisegruppe mit lauter netten Menschen. Altbürgermeister Ottomar Welz hatte die informative und gelungene Reise vorbereitet und wie gewohnt hervorragend organisiert. Zunächst ging es ins Erzgebirge. Nach einem Frühstücksstop am Rasthof Vogtland mit Kaffee und Kuchen aus der Bordküche ging es zum Technikmuseum Frohnauer Hammer. Die Frohnauer Obermühle war ursprünglich eine Getreidemühle, später eine Ölmühle zur Verwertung von Flachs sowie ein Schleifwerk zum Schärfen von Trennwerkzeugen für den Bergbau. Im 17.Jahrhundert wurde das Hammerwerk eingebaut. Die drei oberschlächtigen Wasserräder betreiben das Hammerwerk mit drei unterschiedlich großen eisernen Hämmern mit Ambossen, zwei Blasbälge für die Eisenschmelze und das Schleifwerk. Seit 1492 begann am linken Sehmaufer der Silbererzabbau. Die bedeutenden Silberfunde lösten eine bergmännische Siedeltätigkeit aus und führten schließlich zur Gründung von Annaberg. Als der kleine Hammer bei der Führung in Betrieb gesetzt wurde, konnte man sich gut vorstellen, welchen Lärm hier früher die Schmiedegesellen aushalten mussten. In den Unterkünften der Gesellen ist heute eine Ausstellung zu sehen von Erzeugnissen der ehemaligen Hammerschmiede, die von Gebrauchsgegenständen über die Schreckenberger Silbermünzen bis hin zu schweren Münztruhen mit raffinierten Schließmechanismen reicht. In der Volkskunstgalerie gegenüber dem Technikmuseum wird an einem Bergbaumodell anschaulich demonstriert, wie die Silbergewinnung vom Abbau des Silbererzes bis hin zur Prägung der Silbermünzen verlief. Auch die Holzschnitzkunst konnte am sog. Weihnachtskalender bewundert werden: Für jeden Tag der Adventszeit werden dort die verschiedensten Handwerke mit beweglichen Figuren in Szene gesetzt. Im Hammerherrenhaus erfährt man nicht nur etwas über die Lebensgewohnheit der Hammerschmiedebesitzer und die Klöppelkunst, hier begann auch die Tätigkeit des „Hammerbundes“ zum Erhalt des kulturhistorischen Denkmals Frohnauer Hammer.
Zur Mittagseinkehr ging es zum Panorama-Gasthof auf dem 832m hohen Pöhlberg. Von dort hat man einen herrlichen Blick hinunter nach Annaberg mit der St. Annakirche. Die nächste Station der Reise war das Silberbergwerk im Markus-Röhling-Stollen. Zu DDR-Zeiten war hier die SAG Wismut tätig. Die Suche nach uranhaltigem Erz wurde so rigoros durchgeführt, dass dem technischen Denkmal Frohnauer Hammer die Zerstörung drohte. Mit der Bergwerkbahn fuhr die Gruppe in den Besucherstollen und erfuhr unter fachkundiger Führung von der Arbeitsweise im Silberbergwerk. Beeindruckend war vor allem, mit welcher Technik in der Geschichte ohne Strom und Kompressoren unter Tage gearbeitet wurde. Mit Hammer und Schlageisen schaffte der Bergmann am Tag bei spärlichem Talklicht einen Vortrieb von 3 cm. Riesige Wasserräder im Berg unterstützten später den Transport von Erz und Abraum sowie die Entwässerung der Stollen. Eindrucksvoll war auch die geschilderte Wirklichkeit, als die Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Wismut das Bergwerk betrieb. Als die Arbeiten eingestellt wurden, waren die Kammern der Wasserräder und die alten historischen Stollen mit Abraum und Wasser gefüllt. Was heute dem Besucher an Werkzeug und Bergbautechnik aus dem 18, Jahrhundert und der Zeit der SAG Wismut gezeigt wird, wurde seit April 1992 erschlossen.
In Annaberg besichtigte die Reisegruppe die spätgotische Hallenkirche St. Anna. Sie entstand in den Jahren 1499-1525. Im Gegensatz zum dunklen Arbeitstag der Bergleute ist der Kirchenraum Licht durchflutet. Das Schlingrippengewölbe der Decke eröffnet den Blick auf die Himmelswiese. Der Bergknappschaftsaltar zeigt auf der Rückseite den arbeitstechnischen Ablauf des Bergbaus und die Legende von der Entdeckung des Silbererzes, in der später auch die Gründungsgeschichte der Stadt Annaberg gesehen wurde. Der Hauptaltar, von dem Augsburger Bildhauer Adolf Daucher gearbeitet, zeigt den Stammbaum Jesu und seine „heilige Sippe“, der aus der Wurzel Jesse hervorgeht. Auf den Emporenbrüstungen wird in farbig gestaltete Steinreliefs die biblische Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Endgericht dargstellt. Ausführlich wird von der Passion Jesu und seiner Erscheinung nach der Auferstehung berichtet und nach Himmelfahrt und Pfingsten das Wirken und das Martyrium der Apostel geschildert. Auch Kanzel und Taufstein sowie die „Schöne Tür“ sind beredte Bildpredigten. Mit dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ beschloss die Reisegruppe die eindrucksvolle Kirchenführung.
Der Reisetag endete in Freital bei Dresden, wo im Hotel Leonardo Quartier bezogen wurde. Am Samstag schloss sich ein Tagesausflug in die sächsische Schweiz an. Frau Dr. Gisela Richter übernahm die Reiseleitung und vermittelte zunächst in einer Stadtrundfahrt durch die verschiedenen Stadtteile einen ersten Eindruck von Dresden. Am Elbufer entlang führte die Fahrt zur Schlossanlage Pillnitz. Man spürte es Frau Richter ab, dass sie eine passionierte Lehrerin ist: sie verstand es, ihr reichhaltiges Wissen unterhaltsam anzubringen. Nach der Führung durch die weitläufige Parkanlage mit den verschiedenen Schlossbauten, die einem chinesischen Baustil nachempfunden sind, ging es durch den Nationalpark zur Aussichtsterrasse Bastei. Die beeindruckenden Felsgruppen des Elbsandsteines luden zum Verweilen ein.
Hier gab es auch zahlreiche Möglichkeiten, kulinarische Köstlichkeiten der sächsischen Küche zu genießen. In Bad Schandau, der Kurstadt im Herzen des Elbsandsteingebirges besichtigte die Gruppe die St. Johanniskirche, deren „Siebenbürgerturm“ offenbar auch als Fluchtburg genutzt werden konnte. Weithin sichtbar ist der 52,26 m hohe Stahlfachwerkturm, der 1904 erbaut von der Stadt zur Ostrauer Scheibe führt.
Ein Muss war der Besuch der Festung Königstein. Sie ist in ihrer Geschichte nie militärisch eingenommen worden. Die Wehrmauern sind bis zu 42 m hoch. Heute erreicht man mit zwei Aufzügen sehr bequem das Plateau. Von oben bietet sich ein herrlicher Panoramablick auf das Elbtal.
Am Sonntag stand die Altstadt von Dresden auf dem Programm. Vom Busparkplatz am Zwingerteich ging es zu Fuß an der Semperoper, dem Zwinger, dem Stadtschloss, der Kathedrale vorbei und entlang dem berühmten Fürstenzug zur Frauenkirche. Dort konnte die Reisegruppe den Gottesdienst mitfeiern und den Kirchenraum in seiner ganzen Ausstrahlung wahrnehmen. Vom Neumarkt ging es dann zum Altmarkt, wo man im Sächsisch-Böhmischen Bierhaus wahlweise die Spezialitäten beider Regionen genießen kann. Nach dem Mittagessen erwartete der Stadtführer Herr Laubender die Gruppe zu einem Rundgang durch das Elbflorenz und informierte über Geschichte der wieder aufgebauten Baudenkmäler, die großteils in der Bombennacht am 14./15. Februar 1945 zerstört worden waren. Es wurde allen deutlich, ein Tagesausflug allein reicht nicht aus, um alle Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen. Mit einem Besuch der Pfunds Molkerei mit dem schönsten Milchladen der Welt begann die anschließende Stadtrundfahrt, die am Kronentor des Zwingers endete.
Auf der Rückfahrt durch die Genussregion Oberfranken fand im Gasthaus „Bauernhannla“ in Eichenbühl noch eine Abendeinkehr statt, die wieder auf die fränkische Küche einstimmte. Bleibt noch ein Dankeschön zu sagen für die gelungene Reise.
Text und Bilder (siehe Bildergalerie): Helmut Kastner